Medikamente

Schätzungen zufolge sind etwa 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig, insbesondere von Benzodiazepinen und Z-Substanzen sowie opioidhaltigen Schmerzmitteln. Darunter vor allem ältere Frauen, weil sie häufig über einen langen Zeitraum Psychopharmaka verschrieben bekommen. Insgesamt zeigen Untersuchungen, dass sich der Missbrauch und die Abhängigkeit von Medikamenten weiter erhöht. Dies betrifft vor allem die missbräuchlich häufige und unnötig hoch dosierte Anwendung, teilweise auch die Gewöhnung an nicht-opioidhaltige Schmerzmittel. Auf hochgerechnet 1,6 bis 3,9 Mio. der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland trifft diese Entwicklung zu.

(Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V., Medikamente – Zahlen, Daten, Fakten, 2021)

Konsum & Abhängigkeit

  • Etwas weniger als die Hälfte der Thüringer*innen (48,6 %) gab 2018 an, in den vorigen 30 Tagen mindestens ein Medikament (ausgenommen Anabolika) zu sich genommen zu haben.
  • Am höchsten lag die 30-Tage-Prävalenz des Medikamentenkonsums im Bereich der Schmerzmittel: 46,4 % der befragten Thüringer*innen (37,2 % der Männer und 56,4 % der Frauen) gaben an, in den vergangenen 30 Tagen Schmerzmittel konsumiert zu haben (Bundesdurchschnitt: 50,4 %).
  • Der Gebrauch von Schlaf -oder Beruhigungsmitteln, Anregungsmitteln, Appetitzüglern, Antidepressiva und Neuroleptika lag sehr deutlich unter dem von Schmerzmitteln.
  • Eine Abhängigkeit von Schmerzmitteln nach den Kriterien des DSM-IV (innerhalb der 12 Monate vor Befragung = 12-Monats-Prävalenz) lag 2018 bei 4,2 % der Thüringer Bevölkerung vor, der missbräuchliche Konsum dieser Substanzen bei 6,7 %.
  • 1,1 % der Thüringer*innen erfüllten 2018 die Kriterien für eine Abhängigkeit von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln nach dem DSM-IV,

Quelle: ESA

30-Tage-Prävalenzen für den Gebrauch von verschiedenen Medikamenten in Thüringen 2018 in Prozent (bundesweiter Durchschnitt). Quelle: ESA.

 

mind. ein Medikament 

Schmerz-
mittel 

Schlaf-/
Beruhigungs-mittel 

Anregungs-
mittel

Appetit-
zügler 

Anti-
depressiva

Neuroleptika

Insgesamt

48,6 (53,0)

46,4 (50,4)

5,3 (4,5)

0,7 (0,9)

0,1 (0,2)

3,4 (4,2)

1,1 (1,1)

Männlich

39,0 (45,1)

37,2 (42,6)

3,3 (4,2)

0,4 (1,2)

0,0 (0,1)

1,9 (3,4)

1,2 (1,0)

Weiblich

59,1 (61,1)

56,4 (58,5)

7,5 (4,8)

1,0 (0,6)

0,3 (0,3)

5,1 (5,1)

1,1 (1,1)