Ein Tabuthema braucht Öffentlichkeit!

In Deutschland starben im Jahr 2020 über 9.200 Menschen durch Suizid. Das sind mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle (2.719 Verstorbene), Mord (280 Verstorbene) und illegale Drogen (1.581 Verstorbene) zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr (9.041 Suizide) ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention geht davon aus, dass die Zahl an Suizidversuchen etwa zehn- bis 20-mal höher ist.

Unter dem Motto „Aktiv werden und Hoffnung schaffen“ findet der Welt-Suizid-Präventionstag jährlich statt und bringt dieses sensible Thema an die Öffentlichkeit, welches noch immer durch Stigmata und Tabuisierung geprägt ist.

Die Gründe für einen Suizid sind komplex und viele Suizide geschehen impulsiv in Krisenmomenten, wenn die Bewältigung von belastenden Lebensumständen aussichtslos erscheint.

Laut WHO ist vor allem in Ländern mit hohem Einkommen ein Zusammenhang zwischen Suizid und psychischen Störungen belegt. Dies betrifft insbesondere Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen. So sterben etwa 7 % der alkoholabhängigen Menschen durch Suizid. Alkohol- und andere Substanzgebrauchsstörungen werden bei 25 bis 50 % aller Selbstmorde festgestellt und das Selbstmordrisiko ist weiter erhöht, wenn der Alkohol- oder Substanzkonsum mit anderen psychiatrischen Störungen einhergeht (WHO 2014). In diesem Zusammenhang ist auch der Konsum von Alkohol in den letzten beiden Jahren relevant: Während der Corona-Pandemie fühlten sich viele Menschen aufgrund von Lockdowns isoliert und einsam. In einer repräsentativen Studie (Georgiadou et al. 2020) gab über ein Drittel der Befragten an, während des ersten Lockdowns mehr Alkohol getrunken zu haben. Dabei besteht die Gefahr, dass sich aus dem regelmäßigen, gesteigerten Konsum, eine Abhängigkeit entwickelt. Daraus abgeleitet kann wiederum das Risiko für Suizide steigen. Ausgehend von beispielsweise über 1,6 Millionen alkoholabhängigen Menschen in Deutschland ist Suizidprävention also auch bei abhängigkeitserkrankten Menschen ein äußerst wichtiges Thema.

Die Thüringer Fachstelle Suchtprävention nutzt den Welt-Suizid-Präventionstag, um für die Themen Abhängigkeitserkrankungen und Suizid zu sensibilisieren, denn diese sind stark miteinander verknüpft. Um die Zahlen einzudämmen ist es wichtig, passende Hilfsangebote flächendeckend vorzuhalten und die Hemmschwellen für Betroffene zu senken. Prävention findet nicht nur auf individueller Ebene statt, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Hilfsangebote finden Sie hier:

Telefonseelsorge:       0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222

Hilfen per Mail oder Chat unter:        telefonseelsorge.de

Websites mit Informationen zu Suizid/Suizidprävention:

https://www.welttag-suizidpraevention.de/

https://www.suizidpraevention.de/

05.09.2022

Thüringer Fachstelle Suchtprävention

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