2019 starben mindestens 8 Thüringer*innen infolge des Konsums illegaler Drogen.[1] In Deutschland waren es 1.398, 2020 stieg die Zahl im dritten Jahr in Folge auf nunmehr 1.581. Dieser Menschen gedenken wir heute, am 21. Juli, dem internationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige.

Wieso steigen die Zahlen?

Hilfsangebote und präventive Maßnahmen sind durch die Corona-Pandemie weggebrochen, Beratungsangebote konnten nur eingeschränkt – telefonisch oder per Mail – angeboten werden oder der Zugang war gar nicht mehr möglich. Auch fehlt es nach wie vor an Angeboten zur Schadensminimierung, wie der Verbreitung des Gegenmittels gegen Opioid-Überdosen „Naloxon“. Auch ging die andauernde Corona-Pandemie 2020, welche die Menschen vor Veränderungen und Herausforderungen stellt, mit erhöhten psychischen Belastungen einher. Der Alltag war geprägt von Schulschließungen, beruflichen Einschränkungen oder drohender Arbeitslosigkeit. Die Folgen sind finanzielle Sorgen, Zukunftsängste und soziale Isolation. In diesen außergewöhnlichen und schwierigen Lebenssituationen sind besonders vulnerable Zielgruppen auf Unterstützung angewiesen. Wichtig ist hier der Blick auf die Suchtprävention und die uneingeschränkte Fortführung der Präventionsmaßnahmen als Möglichkeit, Betroffene aufzufangen und sie bei der Alltagsbewältigung zu unterstützen. In der Suchthilfe bedurfte dies eines schnellen Handelns, enormer Flexibilität und der Kreativität der Fachkräfte, um unter anderem Beratungsangebote, unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen, weiter vorzuhalten. So erfolgten beispielsweise Angebote im Freien oder es wurde ein digitaler Kontakt zur Zielgruppe hergestellt. Hier sind dringende Investitionen erforderlich, um für alle Akteure*innen und Zielgruppen gleichermaßen digitale Zugangsmöglichkeiten zu schaffen. Als weiterer Grund für anhaltend hohe bzw. zunehmende Todesfälle infolge des Konsums illegaler Substanzen ist das nach wie vor hohe Niveau der Verfügbarkeit zu nennen. So berichtet die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht von einer stabilen Amphetamin-Nachfrage, Rekord-Beschlagnahmungen von Kokain und Sicherstellungen großer Mengen an Heroin.

Was braucht es?

Ein ausreichend finanziertes, handlungsfähiges Suchthilfesystem mit niedrigschwelligen und akzeptanzorientierten Angeboten bzw. Hilfsmöglichkeiten für Menschen mit einer Suchterkrankung ist unabdingbar. Auch die Suchtprävention ist eine wichtige Säule im Hilfesystem, die frühzeitig ansetzt, bevor Probleme mit dem Konsum von psychoaktiven Substanzen entstehen. Wie die Suchtberatung, so ist auch die Suchtprävention freiwillige Leistung der kommunalen Daseinsvorsorge, und entsprechend prekär ist die Finanzierung. Suchtberatung und Suchtprävention müssen als Teil einer umfassenderen Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung begriffen werden und sollten als kommunale Pflichtaufgaben verankert werden. Die Förderung von Lebenskompetenzen, nicht nur in der Vermeidung von Substanzgebrauchsstörungen, spielt in allen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Die Kontinuität in der Durchführung der Präventionsangebote ist eine Grundvoraussetzung, um steigende Fallzahlen in der Suchthilfe zu verhindern, eine gesunde Lebensweise zu fördern sowie die persönlichen Ressourcen und Kompetenzen jedes Einzelnen zu stärken. 

Wo finde ich Hilfe in Thüringen?

Die erste Anlaufstelle bei Problemen mit dem Konsum von psychoaktiven Substanzen oder einer (möglichen) Suchterkrankung sind die Suchtberatungsstellen in den Thüringer Kommunen, sofern es sich nicht um einen medizinischen Notfall handelt. Eine Liste mit allen kommunalen Suchtberatungsstellen in Thüringen finden Sie auf unserer Homepage.

Mehr Informationen zum Gedenktag finden Sie hier: https://www.gedenktag21juli.de/ 

[1] Die Zahl 8 bezieht sich auf die dokumentierten Fälle, die das Thüringer Landesamt für Statistik erfasst hat (Meldungen der Krankenhäuser etc.): Sterbefälle Thüringer Bürger*innen infolge von Drogenkonsum 2019 (Thüringer Landesamt für Statistik). Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik Thüringen sowie die Lagebilder des Bundeskriminalamts weichen von den Meldekritierien ab und beinhalten auch von der Polizei dokumentierte Verdachtsfälle, bei denen ein kausaler Bezug nicht immer nachgewiesen werden kann.