Medikamente

Suchthilfestatistik 2015 

Bericht zur aktuellen Situation und den Aktivitäten der Suchthilfeeinrichtungen des Landes Thüringen, IFT, München 2016

 

In der Thüringer Suchthilfestatistik wird bei der Hauptdiagnose nach der psychotropen Wirkung der Substanzen unterschieden. Es ist jedoch nicht erkennbar, ob es sich bei den Substanzen um verschreibungspflichtige Medikamente wie z. B. aus der Familie der Benzodiazepine (Schlafmittel, Tranquilizer) handelt. Dennoch ist zu vermuten, dass ein Großteil der Hauptdiagnose Sedativa/Hypnotika einem Medikamentenmissbrauch dieser Familie zuzurechnen ist, zumal es sich größtenteils um Frauen handelt.

Hauptdiagnose          N gesamt    Frauen in %    Männer in %
Sedativa/Hypnotika          35            1,9                 0,1

Epidemiologischer Suchtsurvey (ESA) 2015

Substanzkonsum und Hinweise auf klinisch relevanten Konsum in Bayer, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen, München 2016

 

Fast die Hälfte der Thüringer*innen (48,5%) gab im Jahr 2015 an, in den letzten 30-Tagen mindestens ein Medikament (ausgenommen Anabolika) zu sich genommen zu haben. Bei der Vielfältigkeit der Medikamente zeigte sich dabei, dass vor allem Schmerzmittel eingenommen wurden. Der Gebrauch von Schmerzmitteln traf in Thüringen auf 44,9% zu, wobei dies deutlich mehr Frauen (52,9%) als Männer  (37,4%) betraf. Der Gebrauch von Schlaf-oder Beruhigungsmitteln, Anregungsmitteln, Appetitzüglern, Antidepressiva, Neuroleptika und Anabolika lag sehr deutlich unter dem von Schmerzmitteln.

 

30-Tage Prävalenzen für den Gebrauch von verschiedenen Medikamenten (bundesweiter Durchschnitt):

 

mind. ein Medikament 
(%)

Schmerz-mittel 
(%)

Schlaf- oder Beruhigungs-mittel (%)

Anregungs-mittel 
(%)

Appetit-zügler 
(%)

Anti-depressiva 
(%)

Neuro-leptika 
(%)

Anabolika (%)

Insgesamt

48,5  (50,4)

44,9  (47,1)

4,3 (5,2)

0,5 (0,7)

0,1 (0,3)

4,8 (4,9)

1,9 (1,3)

0,2 (0,1)

Männlich

41,3 (42,0)

37,4 (38,6)

3,5 (3,7)

0,8 (0,7)

0,0 (0,1)

3,4 (4,0)

1,9 (1,4)

0,3 (0,3)

Weiblich

56,3 (58,9)

52,9 (55,7)

5,2 (6,7)

0,1 (0,6)

0,3 (0,4)

6,3 (5,9)

1,9 (1,2)

0,1 (0,0)

 

In Thüringen war die 12-Monats-Prävalenz für den Gebrauch von Schmerzmitteln in der Altersgruppe der 25-39-jährigen am höchsten (58,2%). Insgesamt nahmen 54,8% der Thüringer*innen im Jahr 2015 mindestens einmal ein Schmerzmittel zu sich. Dieser Wert liegt damit signifikant unter dem bundesweiten Durchschnitt  von 59,4%. Für die 12-Monats-Prävalenzen von Schlaf-oder Beruhigungsmitteln, Anregungsmitteln, Appetitzüglern, Antidepressiva, Neuroleptika und Anabolika ließen sich keine signifikanten Unterschiede zum bundesweiten Durchschnitt feststellen. 

 

12-Monats-Prävalenzen für den Gebrauch von verschiedenen Medikamenten (bundesweiter Durchschnitt):

 

Schmerz-mittel 
(%)

Schlaf- oder Beruhigungs-mittel (%)

Anregungs-mittel 
(%)

Appetit-
zügler 
(%)

Anti-
depressiva 
(%)

Neuro-
leptika 
(%)

Anabolika 
(%)

Insgesamt

54,8  (59,4)

6,3 (7,7)

0,6 (0,9)

0,1 (0,4)

5,3 (6,0)

2,1 (1,5)

0,5 (0,6)

Männlich

47,4 (52,1)

5,1 (5,8)

1,0 (0,9)

0,0 (0,2)

3,5 (4,9)

1,9 (1,5)

0,5 (0,6)

Weiblich

62,6 (66,9)

7,6 (9,6)

0,3 (0,9)

0,3 (0,5)

7,1 (7,1)

2,3 (1,5)

0,5 (0,6)

 

Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen 2011 (ESPAD)

Befragung von Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klasse in Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, IFT, München 2012

 

Lebenszeitprävalenz Tranquilizer/Sedativa ohne ärztliche Verschreibung:     1,6 %

Lebenszeitprävalenz Anabole Steroide:  0,5 %

 

Subjektive Einschätzung der Verfügbarkeit von Tranquilizer/Sedativa ohne ärztliche Verschreibung:

Eher schwer:      10,1 %    
Eher leicht:        70,4 %
Weiß nicht:        19,5 %

 

Lebenszeitprävalenz Tranquilizer/Sedativa:

2003            1,5 %
2007            2,5 %
2011            1,6 %

 

Lebenszeitprävalenz Anabole Steroide:

2003            0,3 %
2007            0,9 %
2011            0,5 %