Illegale Drogen

Epidemiologischer Suchtsurvey (ESA) 2015

Substanzkonsum und Hinweise auf klinisch relevanten Konsum in Bayern, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen. Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurvey 2015, IFT München 2017

 

Insgesamt konsumierten 5,3% der Thüringer*innen mindestens einmal eine illegale Droge in den letzten 12 Monaten. Zwar liegt dieser Wert unter dem bundesweiten Durchschnitt, jedoch nicht signifikant. Die Hauptgruppe der Konsumenten lässt sich in Thüringen unter den 18-24-jährigen finden. Mit zunehmendem Alter sinkt die Prävalenz für den Konsum illegaler Drogen allerdings steil ab.

Unter den verschiedenen illegalen Drogen wurde sowohl in Thüringen (4,1%) als auch bundesweit (6,1%)  am häufigsten Cannabis konsumiert.  Wobei Frauen in Thüringen signifikant weniger Cannabis konsumierten als Frauen im Bundesdurchschnitt. Nach den Kriterien der Severity of Dependence Scale (SDS) wiesen allerdings nur 0,5% der Thüringer*innen einen klinisch relevanten Konsum von Cannabis, der darüber hinaus auch noch deutlich unter dem des Bundes (1,2%) lag.  

Das Einstiegsalter in den Cannabiskonsum lag  in Thüringen mit 19,5 Jahren signifikant über dem des Bundes (18,7 Jahre).

Bei dem Konsumprävalenzen für (Meth-)amphetaminen, Ecstasy, LSD Heroin oder Opiaten sowie bei Kokain oder Crack  gab es in Thüringen keine signifikanten Abweichungen zu den bundesweiten Werten.

12-Monatsprävalenzen für den Konsum einer bestimmten Droge (bundesweiter Durchschnitt):

 

Irgendeine

Droge (%)

Cannabis (%)

(Meth-) amphetamin (%)

Ecstasy (%)

LSD (%)

Heroin/

Opiate (%)

Kokain/

Crack (%)

Insgesamt

5,3 (7,1)

4,1 (6,1)

1,2 (1,1)

0,5 (0,6)

0,2 (0,3)

0,2 (0,3)

0,3 (0,6)

Männlich

6,6 (8,3)

5,5 (7,4)

1,3 (1,3)

0,5 (0,7)

0,2 (0,2)

0,1 (0,3)

0,5 (0,8)

Weiblich

3,9 (5,8)

2,7 (4,9)

1,0 (0,8)

0,4 (0,6)

0,1 (0,3)

0,4 (0,3)

0,2 (0,5)

 

Suchthilfestatistik 2015

Bericht zur aktuellen Situation und den Aktivitäten der Suchthilfeeinrichtungen des Landes Thüringen, IFT, München 2016

 

Wie auch im letzten Jahr sind die Stimulanzien die größte Diagnosegruppe mit 17 %. Danach folgen die cannabisbezogenen Störungen mit 7,6 %, andere psychotrope Substanzen mit 2,1 % und die Opioide mit 1,6 %. Die Patientengruppe bei Problematiken mit Cannabis und Stimulanzien liegen größtenteils im Alter zwischen 20-34 Jahren. 

 

Verteilung der Diagnose, geschlechtsspezifisch (%):

 

Stimulanzien

Cannabis

Andere psychotrope Substanzen

Opioide

Sedativa / Hypnotika

Kokain

Insgesamt

17,0

7,6

2,1

1,6

0,5

0,3

Männlich

18,2

9,8

2,1

2,1

0,1

0,5

Weiblich

23,8

6,8

2,0

2,2

1,9

0,1

 

Verteilung der Diagnose, geographisch (%):

 

Stimulanzien

Cannabis

Andere psychotrope Substanzen

Opioide

Sedativa /  Hypnotika

Kokain

Nord

Ambulant

27

12,5

k.A.

1,4

k.A.

0,7

Stationär

67,6

10,2

k.A.

6,3

k.A.

0,0

Mitte

Ambulant

13,9

7,6

k.A.

1,7

k.A.

0,4

Stationär

8,8

4,9

k.A.

5,9

k.A.

0,0

Ost

Ambulant

20,5

9,1

k.A.

1,1

k.A.

0,2

Stationär

1,2

0,1

k.A.

0,6

k.A.

0,0

Süd-West

Ambulant

17,7

8,6

k.A.

2,7

k.A.

0,8

Stationär

17

20

k.A.

6,0

k.A.

2,0

 

Durchschnittsalter der Behandelten nach Hauptdiagnose:

Durchschnitts-alter …

Stimulanzien

Cannabis

Andere psychotrope Substanzen

Opioide

Sedativa/Hypnotika

Kokain

… bei Erstkonsum (Jahre)

18,9

15,7

15,2

20,7

32,7

20,6

… in Behandlung 
(Jahre)

28,6

26,5

k.A.

35,7

47,5

34,1

 

Thüringer Landesamt für Statistik

 

Überblick über die Entwicklung der letzten 10 Jahre in Bezug auf  die Gesamtheit der vollstationären Patienten (einschließlich Stunden und Sterbefälle) und Sterbefällen aufgrund von illegalem Drogenkonsum:

  2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Gesamtheit 1.716 1.726 1.922 2.052 2.111 2.520 2.685 2.548 2.837 2.770
Sterbefälle 9 20 15 10 15 8 8 11 13 8

 

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 2.770 vollstationäre Patienten (einschließlich Stunden und Sterbefälle) aufgrund ihres illegalen Drogenkonsums in Thüringer Krankenhäusern behandelt. Der Großteil der Betroffenen befand sich in der Altersgruppe der 20-40-jährigen. Von dieser Gesamtheit verstarben 8 Menschen  aufgrund ihres illegalen Drogenkonsums.

In den letzten 10 Jahren stieg die Anzahl der behandelten Patienten kontinuierlich an, so dass 2016 über 1.000 Personen mehr aufgrund des Konsums von illegalen Drogen behandelt wurden als noch 2007. Die Anzahl der Drogentoten ist über die Jahre hinweg schwankend.

Diagnose bzw. Altersstruktur

2014

2015

2016

  Insgesamt Männ-lich Weib-lich Insgesamt Männ-lich Weib-lich Insgesamt Männ-lich Weib-lich
Sterbefälle
aufgrund von
Folgen des Drogenkonsums
11 7 4 13 9 4 8 8
Gesamtheit
vollstationärer Drogenpatienten
2.548 1.857 691 2.837 2.073 764 2.770 2.032 738
Davon…                  

unter 20

262

169

93

279

184

95

340

224

116

20-40

1.984

1.503

481

2.256

1.693

563

2.108

1.590

518

40-60

224

153

71

226

161

65

242

180

62

60 und mehr

78

32

46

76

35

41

80

38

42

 

Jahresberichte Rauschgiftkriminalität

Bundeslagebilde 2015

 

Erstauffällige Drogenkonsumenten harter Drogen (EkhD) in Thüringen von 2013 – 2015 nach Art der Droge:

 

2013

2014

2015

Heroin

11

19

9

Kokain

19

35

22

Crack

0

1

0

Amphetamin

855

405

243

Ecstasy

12

34

31

Crystal

k. A.

771

593

LSD

0

1

3

Sonstige

0

0

0

GESAMT

897

1.266

901

 

Europäischer Drogenbericht 2019

Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (2019), Europäischer Drogenbericht 2019: Trends
und Entwicklungen, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg

 

Cannabis

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte Droge in Europa. Schätzungsweise 91,2 Millionen Erwachsene Europäer (27,4%) haben mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis ausprobiert. Davon haben rund 17,5 Millionen junge Erwachsene Europäer (15-34 Jahren) in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert (14,4%). Der Anteil der jungen Männer, die schon einmal Cannabis konsumiert haben, ist dabei doppelt so hoch wie der gleichaltrigen Frauen. In den letzten 12 Monaten reichen die Anteile unter jungen Menschen von 3,5% in Ungarn bis hin zu 21,8% in Frankreich. Generell zeigt sich in einer Reihe von Ländern seit dem Jahr 2000 eine steigende Tendenz des Cannabiskonsums unter jungen Erwachsenen.

Auf täglicher oder fast täglicher Basis konsumiert etwa 1% der europäischen Bevölkerung. Auch hier ist mit rund ¾ der Betroffenen der größte Anteil männlich.

Insgesamt stiegen die Behandlungszahlen in den vergangenen Jahren deutlich an. Wurden 2006 noch 43.000 Menschen erstmals wegen ihres Cannabiskonsums behandelt, waren es 2017 etwa schon 155.000. Gründe für den Anstieg dieser Zahlen können sowohl auf eine gestiegene Prävalenz, intensiveren Konsum als auch steigende Zahl von Überweisungen in Cannabistherapien zurückzuführen sein.

Kokain

Von den illegalen Stimulanzien wird in Europa am häufigsten Kokain konsumiert.  Die Lebenszeitprävalenz liegt hier bei 5,4% (18 Millionen), wovon wiederum 3,9 Millionen erwachsene Europäer (15-64 Jahre) die Droge in den letzten 12 Monaten mindestens einmal konsumiert haben, unter jungen Erwachsenen (15-34 Jahren waren es 2,6 Millionen..  Wie beim Cannabis ist die deutliche Mehrheit der Konsumenten in der jüngeren Altersklasse von 15- 34 Jahren zu finden. Langfristige Trends in der 12-Monatsprävalenz junger Erwachsener können nur für vier Länder gegeben werden (Vereinigtes Königreich, Spanien, Frankreich, Niederlande). Das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Frankreich melden einen Aufwärtstrend, während in Spanien die Prävalenz auf 2,8% zurückging.

MDMA

Insgesamt haben rund 4,1% der erwachsenen europäischen Bevölkerung MDMA mindestens einmal in ihrem Leben probiert. Das entspricht einer Anzahl von 13,7 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren. Davon wiederum geben 2,6 Millionen (0,8%) Europäer einen Konsum in den letzten 12-Monaten an. Dabei ist der weitaus größte Teil der Konsumenten wieder in der jüngeren Altersgruppe der 15-34-jährigen zu finden. Insgesamt war die Prävalenz für den MDMA Konsum in den letzten Jahren rückläufig, Routinedaten der letzten Jahre zeigen ein gemischtes Bild ohne eindeutige Trends.

Amphetamine

12, 4 Millionen erwachsene Europäer konsumierten mindestens einmal in ihrem Leben ein Amphetamin. 1,7 Millionen davon in den letzten 12 Monaten. Unter jungen Erwachsenen (15-34 Jahren) waren es 1,3 Millionen. Auch wenn die Zahlen der Amphetaminkonsumenten europaweit relativ stabil geblieben sind, so ist doch die Zahl der Erstkonsumenten in Deutschland, welche sich aufgrund ihres Amphetaminkonsums in Behandlung befinden gestiegen.

Opioide

Europaweit zählen rund 1,3 Millionen (0,4%) Menschen zu den Hochrisikokonsumenten von illegalen Opioiden (z.B. Heroin) im Jahr 2017. Der Konsum von Opiaten ist dabei für 85% der Todesfälle durch Überdosierung verantwortlich. Neben dem Konsum von illegalen Opiaten geben auch rund 10% der Opiatpatienten an, primär ein legales Opiat, wie Fentanyl, Morphin oder Methadon, zu konsumieren. Im Jahr 2017 begaben sich in Europa 171.000 opoid- abhängige Konsumenten*innen in Behandlung.

 

 

Jugendliche

Junge Erwachsene

Erwachsene

Alter

12-17 Jahre

18-25 Jahre

18-64 Jahre

Datenquelle/Jahr

BZgA: Drogenaffinitätsstudie 2015 bzw. für Cannabis Alkoholsurvey 2018

IFT: ESA 2019

Cannabis

Jemalskonsum

10,0%

42,4%

28,2%

Konsum in den letzten 12 Monaten

18,0%

12,0%

7,1%

Regelmäßiger Konsum (min. 10 Mal in den letzten 12 Monaten)

1,6%

6,9%

Nicht erhoben

Weiblich

0,7%

3,5%

k.A.

Männlich

2,3%

10,0%

k.A.

Abhängigkeit

k.A.

k.A.

0,6%

Heroin

+ andere Opioide

Jemalskonsum

0,1%

0,5%

1,7%

Konsum in den letzten 12 Monaten

0,0%

0,0%

0,4%

NPS

Jemalskonsum

0,1%

2,2%

2,6%

Konsum in den letzten 12 Monaten

0,0%

0,3%

0,9%

Crystal Meth

Jemalskonsum

0,0%

0,6%

0,8%

Konsum in den letzten 12 Monaten

0,0%

0,4%

0,2%

Kokain

+ Crack

Jemalskonsum

0,5%

2,9%

4,1%

Konsum in den letzten 12 Monaten

0,3%

1,2%

1,1%

Ecstacy

Jemalskonsum

0,6%

4,0%

3,9%

Konsum in den letzten 12 Monaten

0,5%

2,2%

1,1%

Angaben von 0,0% bedeuten nicht notwendigerweise, dass es keine Konsument*innen gibt. Die Anzahl liegt aber so niedrig, dass diese statistisch nicht ins Gewicht fällt.

S.81

Befragung von Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klasse in Bayern, Berlin, Brandenburg, 
Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, IFT, München 2012

 

Cannabis

Prävalenz 

Lebenszeitprävalenz:      14,4 %
12-Monats-Prävalenz:     11,5 %
30-Tage-Prävalenz:          5,8 %

 

 

Vergleich Prävalenz 2003 bis 2011
Lebenszeitprävalenz:

2003            29,4 %
2007            22,6 %
2011            14,4 %

 

 

Konsumhäufigkeit

1-5-mal:                 65,7 %
6-19-mal:               21,5 %
20-mal und öfter:    12,8 %

 

 

12-Monats-Prävalenz:

2003             23,6 %
2007             14,9 %
2011             11,5 %

 

 

Subjektive Einschätzung der Verfügbarkeit von Cannabis

Eher schwer:      54,4 %    
Eher leicht:        28,4 %
Weiß nicht:        17,3 %

 

 30-Tage-Prävalenz:

2003             12,5 %
2007              6,4 %
2011              5,8 %

 

Ecstacy

Konsumhäufigkeit Ecstasy

1-5-mal:                  74,5 %
6-19-mal:                16,2 %
20-mal und öfter:      9,3 %

 

12-Monats-Prävalenz Ecstasy

2003              2,9 %
2007              2,0 %
2011              1,2 %

 

Subjektive Einschätzung der Verfügbarkeit von Ecstasy

Eher schwer:      68,6 %    
Eher leicht:        12,3 %
Weiß nicht:        19,1 %

 

 30-Tage-Prävalenz Ecstasy

2003              1,3 %
2007              0,9 %
2011              0,5 %

 

Lebenszeitprävalenz Ecstasy

2003              4,1 %
2007              3,6 %
2011              2,5 %

 

Lebenszeitprävalenzen unterschiedlicher illegaler Drogen

Zeitvergleich Prävalenz von 2003 bis 2011
Lebenszeitprävalenz illegale Drogen

2003            31,6 %
2007            26,1 %
2011            18,1 %

Lebenszeitprävalenz LSD

2003              3,2 %
2007              2,8 %
2011              2,1 %

Lebenszeitprävalenz Heroin

2003              0,8 %
2007              1,2 %
2011              1,0 %

 

 

Lebenszeitprävalenz illegale Drogen außer Cannabis

2003            12,2 %
2007            12,2 %
2011              9,8 %

Lebenszeitprävalenz Kokain

2003              2,8 %
2007              4,0 %
2011              2,7 %

Lebenszeitprävalenz GHB

2003              0,3 %
2007              2,5 %
2011              1,5 %

 

 

Lebenszeitprävalenz Amphetamine

2003              5,4 %
2007              7,0 %
2011              6,7 %

Lebenszeitprävalenz Crack

2003              2,3 %
2007              2,7 %
2011              1,4 %

Lebenszeitprävalenz Drogenpilze

2003              4,6 %
2007              5,3 %
2011              3,4 %